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Gerade der Jargonausdruck war dem furchtbaren Geschehen – im Zusammenspiel von Machthabern und Bevölkerung – angemessen.
Seine Doppelbödigkeit und Doppeldeutigkeit war typisch für die Zeit und für die Versuche eines Teils der Bevölkerung, sich ein Ventil zu schaffen, um mit dem, was sich anbahnte, doch noch leben zu können.
Der Volkswitz bemächtigte sich der hochtrabenden Sprache der Herrschenden, und diese griffen mit der ihnen eigenen Selbstgefälligkeit auf, was ihnen davon zu Ohren kam. Man konnte „oben“ beruhigt sein, wenn es keine schärferen Reaktionen gab als diese bissig-ironische Formulierung. Ich sehe auch nicht, dass dieser Begriff die Opfer verhöhne und die Gräueltaten verschleiere.
Die eingeprägten Bilder des kollektiven Gedächtnisses verhindern, dass der Begriff Assoziationen wie diese eröffnet: „Kristallnacht! Da funkelt, blitzt und glitzert es wie bei einem Fest.“
Gegen den Begriff „Pogrom“ steht der historische Fakt, dass es sich um eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Einrichtungen, Eigentum und Leben der Juden im Deutschen Reich handelte, und keineswegs um einen spontanen Ausbruch der Bevölkerung, wie es tags drauf die Nazipropaganda einhämmerte, wenn sie von „gerechter Empörung“ und „eindeutiger Antwort des Volkes“ sprach.
Im angelsächsischen Sprachraum hat sich der Begriff „Kristallnacht“ eingebürgert. Es gehört zur Geschichte, dass aus der deutschen Sprache nicht nur Worte wie „Kindergarten“, sondern auch „Endlösung“ und „Blitzkrieg“ exportiert wurden. Wir können das Wort „Kristallnacht“ weiter verwenden; es bleibt ein Denkanstoß.
Pastor Wolfgang Raupach-Rudnick, Beauftragter für "Kirche und Judentum" der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.
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