Luther2017

Martin Luther und die Juden

Mit der von ihr ausgerufenen Luther-Dekade bereitet sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit dem Jahr 2008 auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 vor.  Dabei muss auch Martin Luthers Verhältnis zu den Juden thematisiert werden.

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9. November 1938

Bornplatzsynagoge Hamburg 1938 (Foto: dpa)
Bornplatzsynagoge Hamburg 1938 (Foto: dpa)

Von den Nationalsozialisten „Reichskristallnacht“ genannt, wird heute häufig die Bezeichnung "Novemberpogrom" verwendet oder einfach "Kristallnacht" als Bezeichnung für die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, in der als „Vergeltung“ für das Attentat auf den Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, durch H. Grynspan ein Pogrom gegen die Juden in ganz Deutschland stattfand.

Der von Goebbels als „spontaner Sühneakt“ des deutschen Volkes dargestellten Aktion der SA fielen 91 Menschen zum Opfer. Über 250 Synagogen wurden verwüstet oder in Brand gesteckt, etwa 7.500 jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört und über 25.000 Juden verhaftet, die meist in die Konzentrationslager eingeliefert wurden.

Der entstandene wirtschaftliche Gesamtschaden betrug mehrere hundert Millionen Reichsmark. Die Täter gingen frei aus, und die betroffenen Juden mussten die von den Nationalsozialisten angerichteten Schäden nicht nur selbst beseitigen und tragen („Verordnung über die Wiederherstellung des Straßenbildes“, 12.11.1938) sondern hatten überdies noch eine „Sühneleistung“ von einer Mrd. Reichsmark aufzubringen und wurden von nun an durch Schließung jüdischer Geschäfte und Handwerksbetriebe (Arisierung) sowie durch weitere Berufsverbote systematisch aus dem Wirtschaftsleben verdrängt (Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“, 12.11.1938).

Die Voraussetzungen für eine Deportation der Juden in Sammellager waren damit geschaffen. Der Volksmund prägte für die Ereignisse in der Nacht vom 9. zum 10. November den Begriff „Reichskristallnacht“.

Diese verharmlosende Bezeichnung bezog sich allgemein auf die zertrümmerten Glasscheiben jüdischer Geschäfte, in Berlin speziell auf den zerschlagenen Kristalllüster eines großen jüdischen Warenhauses. Doch es war viel Schlimmeres geschehen als „nur“ das Zertrümmern von Fensterscheiben jüdischer Geschäfte.

Gegen das Pogrom regte sich keine Protestbewegung in der Bevölkerung, die Kirchen schwiegen. Der generalstabsmäßig durchgeführte „Rachefeldzug“ war für die Weltöffentlichkeit sichtbarer Ausdruck dafür, dass die Bedrohung und die Vertreibung der Juden aus Deutschland von nun an mit physischer Gewalt erfolgen sollten.

Quelle

Lothar Mertens:
"Reichspogromnacht"
In: Julius H. Schoeps (Hg.)
Neues Lexikon des Judentums
S.697f., überarbeitete Neuausgabe, Gütersloh 2000.

Weiterführende Literatur
Hans-Jürgen Döscher:
„Reichskristallnacht“ – Die Novemberpogrome 1938.
München 2000.

Wilfried Mairgünther:
„Reichskristallnacht“.
Hitlers Kriegserklärung an die Juden, Kiel 1987.